Die Fremde

Schienen, Gleise, und Regen der gegen die Scheibe klopfte. Das bedächtige Poltern wenn die Straßenbahn über eine Weiche rutschte und der Lichtkegel der Scheinwerfer der in eine Welt hinausblickte, die Frank Holter betrogen hatte. Er war 35 Jahre, wirkte seid Wochen gedrungen und in sich gekehrt. Die alten Damen die immer zustiegen, die er mit einem netten Gruss empfangen hatte, mochten ihn nicht zuerkennen. Niemand grüßte oder fragte nach ihm. Sie hielten ihm nur die Münzen entgegen oder ihre Ausweise. Seine Augen sahen den Schaltpult, mit den Knöpfen, sahen ihre Gesichter und dennoch sahen sie nichts, als Lehre; schwarz und bleich wie ein Leichentuch. So auch an diesem Freitag Abend. Leute stiegen ein, stiegen aus, fragten nach Zielen. Seine Lippen, rau und zerfranzt, seine Augen Monde der Schlaflosigkeit sprachen von Trauer. Das Herz in seiner Brust war ein Klumpen voll Scheu und Angst. Wenn er an seine beiden Kinder, Maike und Thorsten dachte, konnte er nur die Geigen hören und ihr Weinen. Die Beerdigung lag einen Monat unter Tagen der Bedeutungslosigkeit vergraben und das Leben war nur noch eine Schiene ins Nirgendwo. Es war nun kurz nach acht Uhr und seine Schicht hatte erst begonnen. Tagschichten konnte er nicht mehr machen, die Kinder brauchten ihn. Nun schliefen sie in ihren Betten. Mit den Gedanken bei ihnen kamen die Erinnerungen an die Zeit des Lichts. Die gute Zeit als Heike noch bei ihm gewesen war. Ihre Lippen, das so liebliche weinrot ihrer Lippen. Etwa gegen viertel vor neun, als er ein viertes Mal hielt und somit das zweite Mal an diesem Abend seine Runde drehte, geschah es, das er glaubte seinen Verstand zu verlieren. Sie musste etwa das Alter seiner verstorbenen Frau haben, zumindest hatte sie diese leuchtenden Augen, die ihn an eine Wiese voll Kleeblätter erinnerten. Ihre Lippen wirkten wie frisch im Wein gebadet, ihre Nase gab ihr etwas Stolzes, jedoch ohne eine Spur von Einfältigkeit. Sie war hinten zugestiegen, doch im Spiegel konnte er sie sehen. "Wie viel kostet das denn nun?" Ein alter Herr schimpfte und hielt ihm seine knorrige Hand vol Euro hin. Die Münzen glänzten matt. Der Atem des Mannes war nicht sehr angenehm, doch dieser war nur damit beschäftigt Blicke des Ärgers zu verschenken. Der Stecken, auf den er sich stützte war wohl älter als der Mann selbst. "Zwei Euro Neunzig" erklärte Frank. Dies brachte nur noch mehr Missbilligung bei dem Alten hervor. "Teuro" spuckte der und klatschte das abgezählte Geld ihm hin. Frank gab ihm die Karte, ließ das Geld in der Kasse verschwinden und blickte wieder in den Rückspiegel. Die Kleeblatt grünen Augen waren verschwunden. Erinnerungen. Das war wohl alles was er hatte. Vielleicht hatte er einer dieser Tagträume gehabt, obwohl es schon Abend war. Achselzuckend drückte der den Knopf zum Schließen der Türen und die Straßenbahn rollte weiter.
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Freitag, 18. August 2017
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Erstellt von: Badfinger
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